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deprilibri.de
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Depressionen - Und was jetzt?

2. Der Arztbesuch

Also, wir stellen fest: Sie vermuten, dass Sie an einer Depression leiden.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Sie jetzt weiter verfahren. Sie könnten einfach gar nichts tun und abwarten - dazu rate ich nicht, Sie verlängern damit nur Ihr Leiden und es gibt keinen Grund, sich das anzutun. Zum anderen könnten Sie gleich versuchen, einen Termin beim Psychotherapeuten zu machen, Sie brauchen dafür keine Überweisung vom Arzt und auch kein Rezept - die Krankenkassenkarte reicht aus. Erst wenn Sie sich für einen Psychotherapeuten entschieden haben und dieser einen Antrag auf Kostenübernahme bei Ihrer Krankenkasse stellt, muss ein sogenannter „Konsiliarbericht“ beigefügt werden: ein Arzt muss bescheinigen, dass keine Krankheiten vorliegen, die für die Symptome verantwortlich sind - denn sollte das der Fall sein, können Sie Psychotherapie machen soviel Sie wollen - es wird sich nichts ändern.
Leider sind diese Termine schwer zu bekommen und nicht selten landet man auf Wartelisten und muss Wartezeiten von mehreren Monaten in Kauf nehmen - in größeren Städten geht es in der Regel schneller als auf dem Lande, da die Therapeutendichte höher ist.

Daher ist der erste Gang meistens der zum Arzt und das macht auch Sinn - und sei es nur sicherheitshalber, denn es gibt wie gesagt körperliche Erkrankungen, die Symptome einer Depression auslösen können: der Klassiker ist eine Schilddrüsenfehlfunktion, die man durch einen Bluttest feststellen kann - ein Schilddrüsenhormon in der passenden Dosierung kann u.U. innerhalb von wenigen Tagen Abhilfe schaffen. Auch ein Nährstoffmangel könnte für Ihre Symptome verantwortlich sein.
Vielleicht gibt es einen Arzt, den Sie schon kennen und dem Sie vertrauen - meist ist das der Hausarzt. Sprechen Sie ihn unbedingt - so schwierig das ist! - auf Ihre Befürchtungen an, vielleicht unter einer Depression zu leiden. Wenn Sie ihm nur von Ihren oft ja eher wenig greifbaren Beschwerden berichten, kommt er vielleicht nicht auf die richtige Idee und Sie verschwenden viel kostbare Zeit und Nerven.
Es ist schwer, sich einem Arzt (oder überhaupt irgendjemandem) anzuvertrauen und es kostet sehr viel Überwindung. Aber es lohnt sich auf jeden Fall. Je früher Sie sich Hilfe holen, desto besser - verlängern Sie nicht Ihren Leidensweg, weil Sie sich für Ihre Empfindungen schämen - denn das müssen Sie gar nicht. Niemand ist „Schuld“ an seiner Erkrankung, auch nicht wenn sie psychischer Natur ist.
Bedenken Sie auch, dass psychische Erkrankungen und insbesondere Depressionen für Ärzte zum Alltagsgeschäft gehören - Sie werden also nicht verurteilt, der Arzt wird Sie genauso ernst nehmen wie einen Patienten mit Diabetes o.ä. und Sie nicht einfach wieder wegschicken mit dem Rat, das Leben nicht so schwer zu nehmen. (Falls doch, ist das kein guter Arzt!)
Viele haben Angst keinen Ton herausbringen zu können, wenn Sie erst vor dem Arzt sitzen und die Situation schildern sollen. Wenn das auch Ihre Befürchtung ist, dann machen Sie sich vorher auf einem „Spickzettel“ Stichpunkte. Schreiben Sie auf, unter welchen Beschwerden Sie gerade akut leiden und welche Auswirkungen diese auf Ihren Alltag haben. Notieren Sie sich ruhig auch Fragen, die Sie dem Arzt stellen möchten. Auch das muss Ihnen nicht peinlich sein - der Arzt wird Sie nicht komisch angucken, wenn Sie von einem Zettel ablesen. Wahrscheinlich freut er sich eher darüber, dass Sie sich auf den Termin so gut vorbereitet haben, denn das wird ihm bei der Diagnostik sehr helfen.
Natürlich können Sie sich auch gleich an einen Facharzt wenden, ohne vorher den Hausarzt konsultiert zu haben; seit der Abschaffung der Praxisgebühr Ende 2012 brauchen Sie keine Überweisung mitzubringen. Nur wenn Sie einen Termin an einer (einer Klinik angeschlossenen) Institutsambulanz vereinbaren, wird eine Überweisung evtl. verlangt - erfragen Sie das am besten vorher.

Berufsbezeichnungen

Es gibt verschiedene Facharztausbildungen in Deutschland, deren Behandlungsgebiete sich zum Teil unterscheiden. Damit Sie einen Überblick bekommen, welche Fachärzte für die Behandlung von Depressionen besonders geeignet sind, stelle ich sie Ihnen kurz mit ihren erworbenen Qualifikationen vor.1 Sie finden die Adressen von niedergelassenen Ärzten in Ihrer Umgebung im Telefonbuch oder über Suchmaschinen im Internet.

- „Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie“ („Psychiater“): Nach dem Medizinstudium und der Approbation (staatliche Zulassung als Arzt) wurde eine mindestens fünf Jahre dauernde Weiterbildung durchlaufen; der betreffende Arzt hat davon 24 Monate im stationären psychiatrischen und psychotherapeutischen Bereich gearbeitet und war 12 Monate in der Neurologie tätig.
Darüberhinaus konnte er wählen, ob er sich über einen Zeitraum von 12 Monaten auf einen Schwerpunkt konzentriert oder/und bis zu 12 Monate in der Kinder- und Jugendpsychiatrie/-psychotherapie oder der Psychosomatischen Medizin und Psychotherapie ableistet. Es können auch 6 Monate in der Inneren Medizin, Allgemeinmedizin, Neurochirurgie oder Neuropathologie angerechnet werden, sowie 24 Monate in der ambulanten Versorgung. Eventuell wurde darüber hinaus noch eine zwei- bis dreijährige Weiterbildung in einem Schwerpunkt durchlaufen.

- „Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie“ (früher: „Arzt für Psychotherapie“ oder „Facharzt für Psychotherapeutische Medizin“): Nach dem Medizinstudium und der Approbation wurde eine mindestens fünf Jahre dauernde Weiterbildung durchlaufen. Der betreffende Arzt hat davon 12 Monate in der Psychiatrie und Psychotherapie gearbeitet, wobei er sich - wahlweise - 6 Monate in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie betätigen konnte. 12 Monate war er im Gebiet der Inneren Medizin und Allgemeinmedizin tätig, wobei er - wahlweise - 6 Monate in der unmittelbaren Patientenversorgung verbringen konnte. Ebenso konnte er bis zu 24 Monate im ambulanten Bereich arbeiten.

- „Facharzt für Neurologie“ (früher: „Nervenheilkunde“): Nach dem Medizinstudium und der Approbation wurde eine mindestens fünf Jahre dauernde Weiterbildung durchlaufen, wovon der betreffende Arzt 24 Monate auf einer stationären neurologischen Station gearbeitet hat und 12 Monate in der Kinder- und Jugendpsychiatrie/-psychotherapie sowie im Bereich Psychiatrie und Psychotherapie und/oder der psychosomatischen Medizin und Psychotherapie.
Außerdem hat er 6 Monate lang neurologische Patienten intensivmedizinisch behandelt. Wahlweise konnte er bis zu 12 Monate im Gebiet der Inneren Medizin und/oder in Allgemeinmedizin, Anatomie, Neurochirurgie, Neuropathologie, Neuroradiologie und/oder Physiologie arbeiten; wahlweise konnte er bis zu 24 Monate im ambulanten Bereich arbeiten.
Neurologen behandeln - manchmal hauptsächlich - Patienten mit neurologischen Erkrankungen, z.B. Parkinson, Multiple Sklerose, Muskelerkrankungen, Migräne, Epilepsie, Demenz etc, aber auch Patienten mit einer (potenziell) psychiatrischen Diagnose.

Am schnellsten bekommen Sie wahrscheinlich einen Termin beim Hausarzt, welcher die Kompetenz hat, eine erste Diagnose zu erstellen und mit Ihnen über Behandlungsmöglichkeiten zu sprechen. Aber natürlich ist er kein Spezialist und hat nicht so fundierte Kenntnisse wie ein Psychiater; sollten Sie sich für eine Behandlung mit Antidepressiva entscheiden, kann ein Psychiater Sie ausführlicher beraten als der Hausarzt.
Auf Facharzttermine muss man fast immer warten, manchmal monatelang (vor allem, wenn Sie gesetzlich krankenversichert sind). Wenn Sie nach einem Termin fragen, fragen Sie nach dem nächstmöglichen. Ist Ihr Leidensdruck sehr groß, dann sagen Sie das der Sprechstundenhilfe und fragen Sie, ob Sie einen Notfalltermin bekommen könnten. Wenn Sie bei Praxisöffnung auf der Schwelle erscheinen, können Sie auch fragen, ob Sie „heute noch“ drankommen können, wenn Sie bereit sind solange wie nötig zu warten. (Stellen Sie sich dann auf mehrere Stunden ein und klugerweise beschweren Sie sich nicht…) Vielleicht ist Ihr Hausarzt auch bereit, Ihnen bei der Terminvereinbarung zu helfen - fragen Sie ihn.
Viele Praxen sind überlastet und manchmal ist es ihnen nicht möglich, Patienten „dazwischenzuschieben“, in dem Fall müssen Sie in den sauren Apfel beißen und warten. Vereinbaren Sie trotzdem einen Termin, auch wenn der weit in der Zukunft liegt; in der Zwischenzeit können Sie zur Behandlung zu Ihrem Hausarzt gehen und falls es Ihnen schon wieder gutgeht, wenn der Facharzttermin näherrückt, können Sie immer noch absagen (bitte tun Sie das dann auch).
Wohnen Sie in einer größeren Stadt, gibt es u.U. mehrere Praxen - telefonieren Sie dann alle durch, welche den frühesten Termin anbieten kann. Ist eine Psychiatrische Klinik in Ihrer Nähe, können Sie auch dort nach ambulanten Terminen fragen.
Wenn es einem schlecht geht und man auch noch Probleme mit dem Antrieb hat, kann man sich manchmal nur schlecht überwinden, so aktiv zu werden. Auch ist es nur natürlich, wenn Sie Angst haben, zu einem Psychiater zu gehen - auch wenn man es eigentlich besser weiß, so sind die heute veralteten Klischeevorstellungen immer noch irgendwo in einem verankert. Das ist ganz normal und geht fast jedem so.
Probieren Sie aus, wie Sie sich am besten motivieren und überwinden können: überlegen Sie sich zum Beispiel eine Belohnung für einen getätigten Anruf. Nehmen Sie sich eine bestimmte Uhrzeit vor und stellen Sie sich einen Wecker; legen Sie sich die Telefonnummer vorher zurecht und denken Sie nicht nach, wenn der Wecker klingelt, nehmen Sie nur den Hörer und wählen Sie.
Überlegen Sie sich: was kostet es mich, JETZT anzurufen? Für eine Minute Kräfte mobilisieren - aber was kostet es mich, wenn ich den Anruf vor mir herschiebe? Sie werden sich schlecht fühlen und andauernd an den Anruf denken müssen… Das kostet viel mehr Kraft!
Sie können auch ein Familienmitglied oder Vertrauten darum bitten, Sie am Ende des Tages zu fragen, ob Sie den Anruf gemacht haben - vielleicht finden Sie es dann unangenehm, wenn Sie verneinen müssen, so dass Sie lieber anrufen.
Sie kennen sich selbst am besten - was tun Sie sonst, wenn Sie sich zu ungeliebten Tätigkeiten überreden müssen?

Was passiert beim Arztbesuch?

Der Termin unterscheidet sich gar nicht so sehr von einer Konsultation wegen körperlicher Krankheiten - Sie schildern Ihre Beschwerden und der Arzt stellt Ihnen dazu Fragen. Manche Patienten sind enttäuscht, wenn das Gespräch tatsächlich eher ärztlich und nicht therapeutisch ist; das hängt natürlich sehr von dem behandelnden Arzt ab, wie einfühlsam er nachfragt. Es kann passieren, dass Sie nicht die Zeit bekommen, Ihre Situation ausführlich zu schildern. Fühlen Sie sich bitte nicht persönlich angegriffen, wenn der Arzt sich nicht so viel Zeit für Sie nimmt, wie Sie gebraucht hätten. Egal ob Haus- oder Facharzt, er hat einen eng gestrickten Zeitplan und versucht nicht nur, Sie „loszuwerden“.
Mit der Art von einigen Menschen kommt man zurecht und mit anderen nicht - genauso ist es auch mit Ärzten. Verzeihen Sie, dass ich jetzt verallgemeinere: viele Männer mögen es, wenn der Arzt sachlich und „lösungsorientiert“ ist - viele Frauen empfinden das als kühl und unsensibel. Ein anderer Arzt tritt vielleicht warmherziger auf und fragt nach Ihren Gefühlen - das kommt meist Frauen entgegen, während einige Männer das unangenehm finden.

Aber was erwartet Sie nun genau?
Der Arzt fragt Sie, was Sie zu ihm führt und Sie antworten, so gut Sie können. Wenn Sie ihm sagen, dass Sie vielleicht an einer Depression leiden wird er wissen wollen, wie Sie zu dieser Einschätzung kommen und dann wird er wahrscheinlich dazu Fragen stellen:
Wenn Sie zum Beispiel erzählen, dass Sie unter Schlafstörungen leiden, fragt er sich möglicherweisen, wie diese sich genau äußern: können Sie abends nicht einschlafen, werden Sie früh im Morgengrauen wach und können dann wieder nicht einschlafen oder wachen Sie in der Nacht häufig auf?
Vielleicht fragt er Sie auch nach Ihrem Tagesablauf, ob und wenn ja welcher Arbeit Sie nachgehen, ob Sie täglich Stresssituationen ausgesetzt sind oder wie Ihr soziales Netz aussieht (haben Sie Familie? Freunde?).
Dadurch versucht er, sich ein Bild von Ihnen zu machen und einzuschätzen, was Ihnen am besten hilft.
Wenn Sie Suizidgedanken haben, dann teilen Sie das Ihrem Arzt unbedingt mit. Schrecken Sie nicht davor zurück weil Sie Angst haben, zwangseingewiesen zu werden - das passiert nur in ganz, ganz wenigen und nur sehr heftigen Fällen, z.B. falls Sie ihm sagen, dass Sie den unumstürzlichen Plan haben, sich (oder anderen) sofort bzw. gleich nach der Sitzung Gewalt anzutun und Sie diesen Plan auch auf jeden Fall ausführen werden. Das ist die Ausnahme von der Ausnahme - die wenigsten haben konkrete Pläne, sondern spielen mit dem Gedanken und leiden sehr darunter, weil sie eigentlich weiterleben möchten. Und das ist auf keinen Fall ausreichend, um eine Zwangseinweisung durchzusetzen.
(Eigentlich geht es dabei oft gar nicht darum, das Leben als solches zu beenden, sondern die unerträgliche Situation. Ein schlauer Mensch, dessen Namen ich leider nicht kenne, hat einmal formuliert: „Selbstmord ist eine permanente Lösung für ein temporäres Problem.“ Das finde ich sehr treffend.)

Der Facharzt fragt in der Regel genauer und ausführlicher nach als der Hausarzt und möglicherweise bekommen Sie einen sogenannten „Anamnesebogen“, den Sie ausfüllen sollen und der ihm noch tiefergehende Informationen zu ihrer Lebens-und Leidensgeschichte gibt; die Länge kann variieren von einer Seite bis zu mehreren Bögen. Vielfach bekommen Sie diesen Bogen mit nach Hause, damit Sie ihn in Ruhe ausfüllen und zum nächsten Termin mitbringen können.
Einige Fragen auf diesem Bogen sind Ihnen evtl. unangenehm - Sie brauchen Sie dann nicht zu beantworten, aber Sie brauchen keine Angst zu haben: diese Informationen unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht und gehen weder an Ihre Angehörigen noch an andere Ärzte, es sei denn, Sie möchten das ausdrücklich; ist letzteres der Fall, wird der Arzt von Ihnen eine schriftliche Einverständniserklärung wollen. (Auch Psychotherapeuten bedienen sich gerne dieser Fragebögen; wenn Sie schon beim Arzt einen ausgefüllt haben, dann möchten Sie ihn vielleicht gerne an Ihren Therapeuten übermittelt haben, damit Sie es nicht noch einmal machen müssen.)

Wie entsteht die Diagnose?
Eine Diagnose bei psychischen Störungen zu treffen ist nicht ganz einfach, weil es keine biologischen Marker gibt, an denen man sie ablesen kann; der Arzt muss also eine Ausschlussdiagnose treffen. Es dauert seine Zeit, bis er sich ein umfangreiches Bild gemacht hat, also wird er aufgrund des ersten Gespräches mit Ihnen eine Verdachtsdiagnose stellen, die sich im weiteren Verlauf der Behandlung und, falls Sie einen bekommen haben, auch nach Auswertung des Anamnesebogens noch verändern kann. (Nicht alle Ärzte geben diese Bögen aus.)
Solch eine Diagnose ist ein zweischneidiges Schwert: einerseits kann es erleichternd sein, endlich „Schwarz auf Weiß“ zu haben, dass man sich seine Beschwerden nicht „einbildet“; und endlich weiß man, was man „hat“. Andererseits klingen diese Diagnosen nicht gerade freundlich und manch einer fühlt sich dadurch abgewertet oder sogar beschuldigt. Betrachten Sie die Diagnose als notwendige, wenn auch unzureichende, Beschreibung dessen, was Sie gerade durchmachen - Sie sollten Sie nicht überbewerten, betrachten Sie es ganz pragmatisch: Sie haben Beschwerden, die gelindert werden können und deren Behandlung die Krankenkasse übernimmt. Damit sie das tut, braucht es halt die Diagnose (und innerhalb der „psychischen Störungen“ ist es für diesen Zweck schon fast egal, welche das am Ende ist). Wenn sie das Gefühl haben, dass die ihnen zugedachte nicht passend ist, sprechen Sie das Ihrem Arzt gegenüber ruhig an; wie schon gesagt können sich Diagnosen auch ändern. Wenn der Arzt die genaue Diagnose nicht von sich aus benennt (sondern z.B. nur von einer Depression im Allgemeinen spricht) und Sie es genau wissen möchten, fragen Sie ihn ruhig. Sollte er Sie arbeitsunfähig schreiben, steht der Diagnoseschlüssel (ICD-10-Code; diesen können Sie z.B. bei www.dimdi.de eingeben, um zu erfahren, was dahinter steckt) auf dem Krankenschein auf dem Teil, den Sie an Ihre Krankenkasse weiterleiten (das große Blatt). Keine Sorge - auf dem Teil für den Arbeitgeber (das kleine Blatt) steht nur der Zeitraum, in dem Sie krankgeschrieben wurden sowie ein Stempel des behandelnden Arztes bzw. seiner Praxis. (Letzteres könnte u.U. ein Problem sein: wenn Sie sich nämlich von einem Psychiater behandeln lassen und nicht möchten, dass Ihr Arbeitgeber weiß, dass Sie psychische Probleme haben.)

Wenn also auch der Arzt nach seiner Untersuchung feststellt, dass Sie wahrscheinlich an einer Depression leiden, läuft es auf eine dieser Diagnosen heraus(2):

- F 32: Depressive Episode

  1. F32.0: Leichte depressive Episode
  2. F32.1: Mittelgradige depressive Episode
  3. F32.2: Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
  4. F32.3: Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen
  5. F32.8: Sonstige depressive Episoden
  6. F32.9: Depressive Episode, nicht näher bezeichnet

- F 33: Rezidivierende (wiederkehrende) depressive Störung

  1. F33.0: Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode
  2. F33.1: Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
  3. F33.2: Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome
  4. F33.3: Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen
  5. F33.4: Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (Remisson = Abnahme der Krankheitssymptome)
  6. F33.8: Sonstige rezidivierende depressive Störungen
  7. F33.9: Rezidivierende depressive Störung, nicht näher bezeichnet

- F 34: Anhaltende affektive (durch Gefühlsäußerungen geprägte) Störungen

  1. F34.0: Zyklothymia (auch: „neurotische Depression“; depressives Erleben wechselt sich mit gehobener Stimmung ab; chronisch)
  2. F34.1: Dysthymia (leichte Depression über mindestens zwei Jahre)
  3. F34.8: Sonstige anhaltende affektive Störungen
  4. F34.9: Anhaltende affektive Störung, nicht näher bezeichnet

- Z 73 (Z73.0 - Z73.9): Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (u.a. Burnout, Stress)

Nicht selten werden Depressionen auch von (z.T. schweren) Ängsten oder Zwängen begleitet, so dass es zu einer Zusatzdiagnose kommen kann, z.B.:
- F 40 (F40.0 - F40.9): Phobische Störungen (z.B. Agoraphobie, soziale Phobien, spezifische Phobie)
- F 41 (F41.0 - F41.9): Andere Angststörungen (z.B. Panikstörung, Generalisierte Angststörung)

Es gibt außerdem zahlreiche andere Diagnosen, die ich hier nicht im Einzelnen behandeln möchte, obwohl die Symptome einer „klassischen“ Depression (falls man davon sprechen kann) in einigen Punkten sehr ähnlich sind - die Behandlung unterscheidet sich in einigen Punkten. Das sind z.B.:

- F 30 (F30.0 - F30.9): Manische Episode
- F 31 (F31.0 - F31.19): Bipolare affektive Störung (früher: „manisch-depressiv“)
- F 38 (F38.0 - F38.8): Andere affektive Störungen
- F 43 (F43.0 - F43.9): Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen (u.a. Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bzw. umgangssprachlich „Trauma“)
- F 45 (F45.0 - F45.9): Somatoforme Störungen (körperliche Beschwerden, die sich Wie entsteht die Diagnose? nicht auf eine organische Ursache zurückführen lassen)
- F 48 (F48.0 - F48.9): Andere neurotische Störungen
- F 60 - F 62: Persönlichkeitsstörungen

Die Besonderheiten und Merkmale der einzelnen Diagnosen zu beschreiben, würde diesen Rahmen sprengen und es würde auch nichts bringen, wenn Sie sich selbst Ihre eigene Diagnose stellen - überlassen Sie diese schwierige Aufgabe Ihrem Arzt. Mit ihm können Sie dann auch besprechen, was es für Sie konkret bedeutet. Und wie schon gesagt: messen Sie der Diagnose keine allzu große Bedeutung zu.

Antidepressiva

Nachdem der Arzt sich einen Überblick verschafft hat, wird er mit Ihnen Möglichkeiten der Behandlung durchgehen und mit Ihnen auch besprechen, ob Ihnen ein Antidepressivum helfen könnte. Die Entscheidung, ob Sie ein Medikament nehmen möchten, liegt ganz bei Ihnen - der Arzt spricht lediglich Empfehlungen aus, denen Sie jedoch nicht folgen müssen. Niemand wird Sie dafür verurteilen, wenn Sie sich dagegen entscheiden, Medikamente zu nehmen. Lassen Sie sich beraten, hören Sie sich seine Ansichten an und stellen Sie Fragen, denn es handelt sich schließlich um Arzneimittel, mit denen verantwortungsvoll umgegangen werden muss.

Es kursieren viele falsche Vorstellungen von Psychopharmaka und es wird aus Unwissenheit auch vieles durcheinandergeworfen. So machen z.B. Benzodiazepine (Beruhigungs- und Schlafmittel, häufig zu erkennen an der Endung “-am“: Bromazepam, Diazepam, Flunitrazepam etc.) abhängig, Antidepressiva aber nicht. Letzteres wird von Kritikern immer noch behauptet, weil es zu Absetzsymptomen (Schwindel, Zittern, Schwitzen,…) kommen kann, wenn Sie das Mittel abrupt reduzieren oder gar nicht mehr nehmen. Um das zu vermeiden, werden Antidepressiva immer „ein-“ bzw. „ausgeschlichen“: das bedeutet, dass das Medikament zunächst in niedriger Dosierung eingenommen wird, welche langsam gesteigert wird (manchmal über Wochen). Umgekehrt verfährt man, wenn das Medikament nicht mehr genommen werden soll: man verringert die Dosis in kleinen Schritten. Treten Absetzsymptome auf, wurde die Dosis zu schnell reduziert, eine kleinschrittigere Reduzierung schafft hier schnell Abhilfe.
Antidepressiva wirken nicht unmittelbar und geben keinen „Kick“, es kann zwei bis vier Wochen dauern, bis sich die ersten Resultate zeigen - deshalb gibt es weder während der Dosisreduzierung noch nach dem gänzlichen Absetzen das heftige Verlangen („cravings“) nach dem Mittel. Sie können sich bei Ihrem Arzt rückversichern, wenn Sie sich unsicher sind, ob das verschriebene Medikament abhängig macht oder nicht.
Außerdem gibt es bei Antidepressiva keinen Gewöhnungseffekt, der eine immer höhere Dosierung nötig machen würde, sollten Sie das Präparat längere Zeit einnehmen - was in der Regel der Fall ist. Um einem Rückfall vorzubeugen, sollten Antidepressiva nach Abklingen der Symptome etwa ein halbes Jahr lang weitergenommen werden. Halten Sie sich an die Anweisungen des Arztes und sprechen Sie sich vorher mit ihm ab, wenn Sie vorhaben, das Mittel abzusetzen. Es ist auch wichtig, dass Sie es regelmäßig einnehmen; nicht nur, weil es sonst nicht wie vorgesehen wirken kann, sondern auch weil Sie sich der Gefahr von Absetzsymptomen aussetzen, wenn Sie es vergessen. Schon eine einmal vergessene Einnahme kann körperliche Reaktionen hervorrufen.
Ein weiteres Vorurteil ist, dass Antidepressiva die Persönlichkeit verändern, das ist aber nicht so. Eher das Gegenteil ist der Fall: wenn die Depression ihre eigentliche Persönlichkeit verschüttet hat, könnten Antidepressiva ihre eigentlich Persönlichkeit wieder freilegen.

Nebenwirkungen
Die neueren Präparate sind weitgehend nebenwirkungsarm, trotzdem reagieren manche Patienten mit zum Teil heftigen Nebenwirkungen. Lassen Sie sich darüber aufklären, wie das vom Arzt vorgeschlagene Mittel wirkt, mit welchen Nebenwirkungen Sie evtl. rechnen müssen und wann die gewünschte Wirkung eintritt (in der Regel nach ca. zwei bis vier Wochen).
Anders als die eigentliche Wirkung können Nebenwirkungen schon bei der ersten Einnahme auftreten; manche verschwinden von ein paar Tagen von allein wieder. Wenn Sie unter leichter Übelkeit, einem leichten Schwindelgefühl, Mundtrockenheit, Verstopfung, niedrigem Blutdruck, erhöhtem Puls o.ä. leiden, sollten Sie also nicht sofort aufgeben. Wenn die Nebenwirkungen aber für Sie zu schwerwiegend sind, dann setzen Sie sich umgehend mit Ihrem Arzt in Verbindung.
Andere verschwinden u.U. nicht völlig, wie z.B. Gewichtszunahme und Störungen der Sexualität - beides kann, muss aber nicht auftreten.
Da sich Antidepressiva auf Konzentrationsfähigkeit und Reaktionsvermögen auswirken können, kann auch die Fahrtüchtigkeit eingeschränkt sein, ebenso die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen (Verletzungsgefahr!). Daher sollte man auf das Autofahren bzw. Hantieren mit Maschinen verzichten, bevor man seine Reaktion auf ein neues Medikament nicht genau kennt. Und auch dann könnten im Falle eines Unfalls u.U. versicherungstechnische Nachteile entstehen; ein beim Psychiater präventiv abgelegter Aufmerksamkeits- und Konzentrationstest kann hier für mehr Sicherheit sorgen.

Welche Antidepressiva gibt es und wie wirken sie?
Im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen wird davon ausgegangen, dass es ein Ungleichgewicht im Botenstoff-Haushalt im Gehirn gibt; Antidepressiva wirken diesem Ungleichgewicht entgegen, allerdings konnte diese Vermutung bislang nicht durch Studien untermauert werden.
Am häufigsten verschrieben werden heute Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehmmer (SSRI - Selective Serotonin-Reuptake-Inhibitor). Serotonin gilt im Volksmund als das „Glückshormon“. SSRI sorgen dafür, dass das vom Gehirn produzierte Serotonin nicht so schnell wieder ins Blut aufgenommen wird und damit länger zur Verfügung steht.
Selektive Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (NARI = Noradrenalin-Reuptake-Inhibitor) hemmen die Wiederaufnahme des Botenstoffs und Hormons Noradrenalin, das das Herz-Kreislauf-System anregt.
Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNARI - Selective Serotonin-Noradrenalin-Reuptake-Inhibitor) tun dasselbe mit Serotonin und Noradrenalin.
Noradrenergene und spezifisch serotonergene Antidepressiva (NaSSA- Noradrenergic and Specific Serotonergic Antidepressant) wirken sowohl auf den Botenstoff Noradrenalin als auch auf das Serotonin, allerdings auf etwas andere Weise als SSRI. Auch hier wird die Konzentration der Botenstoffe erhöht.
Außerdem gibt es noch Tri- bzw. Tetrazyklische Antidepressiva (TZA); die Bezeichnung bezieht sich auf die molekulare Anordnung der drei bzw. vier Bausteine, die sich zu einem Ring zusammensetzen. Sie wirken auf mehrere Botenstoffe des Gehirns, nicht nur auf auf Serotonin und Noradrenalin.
Und dann wären da noch die Monoaminooxidase-Hemmer (MAO-Hemmer). Monoaminooxidase ist ein Enzym, welches im Gehirn dafür sorgt, dass Botenstoffe abgebaut werden. MAO-Hemmer hemmen also den Abbau von Botenstoffen im Gehirn, so dass diese in höherer Konzentration zur Verfügung stehen bleiben.
Je nach Medikament gibt es bestimmte Lebensmittel, die während der Einnahme nicht verzehrt werden dürfen. Auch können starke Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, auch anderen Antidepressiva, auftreten, so dass eine genaue Absprache mit dem behandelnden Arzt dringend erforderlich ist. Deshalb sind diese Medikamente in der Regel nicht die erste Wahl, sondern werden erst eingesetzt, wenn mit anderen Medikamenten keine ausreichende Wirkung erzielt werden konnte.
Hochdosiertes Johanniskraut (mind. 900mg/Tag) hat als pflanzliches Präparat in Studien gute Ergebnisse bei der Behandlung von leichten bis mittelschweren Depressionen erzielt. Aber auch hier kann es zu Nebenwirkungen kommen, manche Patienten werden lichtempfindlicher und bekommen leichter einen Sonnenbrand; außerdem kann Johanniskraut die Wirkung der Anti-Baby-Pille herabsetzen.
Wegen möglicher Wechselwirkungen darf es nicht in Kombination mit anderen Antidepressiva genommen werden. Johanniskraut ist frei verkäuflich, kann seit kurzem aber auch verschrieben werden.

Der Psychopharmaka-Markt ist riesig und die Auswahl des richtigen Mittels schwierig. Zunächst orientiert sich der Arzt an Ihren Symptomen: es gibt Antidepressiva, die antriebssteigernd wirken - das ist gut, wenn Sie Probleme mit Antriebslosigkeit haben und schlecht, wenn Sie unter Nervosität und Ruhelosigkeit leiden. Daneben gibt es Antidepressiva, die beruhigend wirken und Ihren Schlaf verbessern können.
Leider weiß man bis heute nicht besonders viel über das Gehirn, und deshalb ist es leider nicht möglich, vorher festzustellen, welches Präparat „das Richtige“ ist und die gewünschte Wirkung zeigt, ohne dass Nebenwirkungen auftreten. Das muss individuell ausprobiert werden - was bei dem einen super wirkt, wirkt bei dem anderen überhaupt nicht und umgekehrt. Der Arzt wird also auf der Basis Ihrer Beschwerden ein Präparat auswählen und zunächst in niedriger Dosierung verordnen. Vielleicht bekommen Sie von ihm auch gleich gesagt, in welchen Intervallen Sie die Dosis erhöhen sollen. Fragen Sie ihn wie Sie verfahren sollen, wenn Nebenwirkungen auftreten und ob Sie im Zweifel einen kurzfristigen Termin bekommen oder, wenn das nicht möglich ist, eine Telefonkonsultation in Anspruch nehmen können.
Wenn Sie nach sechs bis acht Wochen der Einnahme keinerlei Verbesserung verspüren, ist evtl. die Dosis zu gering oder es ist das falsche Präparat. Bei vielen Patienten führt nicht das erste ausprobierte Medikament zu einer deutlichen Verbesserung und es müssen weitere probiert werden. Dabei kann es auch sein, dass ein Präparat mit einem ähnlichen Wirkmechanismus deutlich besser anschlägt.
Verlieren Sie nicht die Hoffnung; es ist schwer geduldig zu bleiben, wenn man leidet, aber der Vorgang lässt sich leider nicht sinnvoll beschleunigen.
Manche Ärzte ordnen für die Bestimmung der richtigen Dosierung Bluttests an. Man kann einige Zeit nach Einnahme des Medikamentes über das Blut einen Wirkspiegel bestimmen, der allerdings nur indirekt aussagekräftig ist, weil man dadurch nicht bestimmen kann, ob das Medikament wirklich im Gehirn angekommen ist (dazu müsste man Proben direkt im Gehirn nehmen, was zu aufwändig und zu gefährlich ist). Deshalb wird es selten gemacht, eher noch bei stationären Patienten, kaum im ambulanten Bereich.
Erwarten Sie keine Wunder von Ihrem Antidepressivum - es löst nicht Ihre Probleme. Es kann aber den Leidensdruck nehmen, die Stimmung verbessern und stabilisieren (Sie werden sich nicht euphorisch fühlen), den Schlaf oder den Antrieb verbessern (wenn bei Ihnen beides ein Problem ist, rät Ihnen der Arzt vielleicht zu einer Kombination von zwei verschiedenen Präparaten - eines für Morgens, das den Antrieb verbessert und eines für Abends, das Sie schlafen lässt).

2._der_arztbesuch.txt · Zuletzt geändert: 2015/01/09 19:42 von merle