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hypochondrie [deprilibri.de]
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Hypochondrie / Hypochondrische Störung

Der Begriff setzt sich zusammen aus den griechischen Worten „hypo“ = unter und „chondros“ = Knorpel und meint ursprünglich den Bereich unter den Ripppenknorpeln, die Verdauungsorgane, da man ursprünglich davon ausging, die Krankheit ginge auf eine Störung mit Sitz in der Verdauung zurück.

Heute bezeichnet man als Hypochondrie die Überzeugung, krank zu sein - obwohl sich keine organischen Ursachen für die Beschwerden ausmachen lässt.

Klassifikation: F45.2 (hypochondrische Störung), wird auch zu den somatoformen Störungen zugerechnet.

Betroffene beschäftigen sich sehr intensiv mit dem eigenen Befinden und beobachten ihren Körper mit der ständigen Sorge, unter einer schweren Krankheit zu leiden, die nur nicht diagnostiziert ist. Durch diese besondere Aufmerksamkeit auf Körpervorgänge werden „normale“ Empfindungen und Abweichungen als besonders belastend empfunden.
Der Leidensdruck ist nicht eingebildet, sondern sehr real. Die Beschwerden können ein Ausmaß annehmen, das sich einschränkend im Alltag auswirkt. Die vorhandenen Symptome werden auf eine körperliche Erkrankung zurückgeführt und den Beteuerungen von Ärzten, dass es sich nicht um eine solche handelt, in der Regel keinen Glauben geschenkt.
Nicht selten sind Betroffene selbst kleine Medizin-Experten und können die Krankheit, die möglicherweise hinter den Beschwerden steckt, konkret benennen.
Fallen Befunde negativ aus, ist die Erleichterung im ersten Moment groß, hält aber nicht lange an. Deswegen besuchen Betroffene Arztpraxen überdurchschnittlich oft, weigern sich beharrlich, dem Arzt Glauben zu schenken und fordern medizinische Untersuchungen geradezu ein. Ist der Arzt irgendwann nicht (mehr) bereit, diese vorzunehmen oder zu wiederholen, wird der Arzt gewechselt, häufig kommt es so zu einer regelrechten „Ärzteodyssee“ (Ärztehopping).
Hinweise auf eine psychische Erkrankung oder eine Überweisung an einen Psychiater oder Psychotherapeuten werden meist entrüstet abgelehnt („Ich bin krank, nicht verrückt“, „Ich habe es in den Knien, nicht im Kopf“.). Die Gefühle und Ängste hinter den Beschwerden werden meist nicht wahrgenommen.
Diese Krankheitsängste können wahnhafte Züge annehmen.

Die Ursachen für die Entwicklung einer hypochondrischen Störung können vielfältig sein. Zum einen können die Krankheitsängste „erlernt“ sein, z.B. wenn Mutter oder Vater selber große Krankheitsängste haben und diese auf das Kind übertragen. Manche Menschen sind von ihrer Persönlichkeit her besonders anfällig für die Entwicklung von Ängsten, es wurden negative Erfahrungen mit Krankheiten gemacht (z.B. Fehldiagnose oder Todesfall bei Angehörigen) oder es liegen psychische Ursachen zugrunde (Trauma, Stress etc.).

Man unterscheidet:

  • Primäre Hypochondrie: Den Krankheitsängsten gehen keine eigenen negativen Erfahrungen mit den Befürchtungen voraus und stützen sich auch nicht auf reale Gefahren (z.B. das vermehrte Auftreten von Krebserkrankungen in der Familie).
  • Sekundäre Hypochondrie: Die Krankheitsängste haben sich aus psychischen Vorerkrankungen entwickelt oder ergeben sich aus nicht verkrafteten Erfahrungen am eigenen Leibe oder durch Beobachtungen bei Angehörigen.

Verbreitete Krankheitsängste:

  • Angst vor potentiell tödlichen Krankheiten (z.B. Krebs, Aids)
  • Angst vor Behinderung nach einer schweren Krankheit (z.B. Schlaganfall, Herzinfarkt)
  • Angst vor großen Schmerzen, wenn eine Krankheit nicht rechtzeitig entdeckt wird
  • Angst wegen unerklärlicher Symptome
  • Angst sich mit einer schweren Krankheit anzustecken (z.B. über Viren)
  • Angst vor Krankheiten durch Umweltgifte (z.B. Abgase, Strahlung)
  • Anst vor dem Stigma einer psychischen Erkrankung
  • Angst vor degenerativen Krankheiten des Gehirns (z.B. Alzheimer, Demenz)
  • Angst vor dem Älterwerden
  • Angst vor dem neuerlichen Erleben einer bereits bewältigten Krankheit (bzw. Angst vor deren Verschlimmerung)

Bücher:

hypochondrie.txt · Zuletzt geändert: 2012/01/24 21:24 von merle